Freigleis: Geschwindigkeitskonflikte zwischen schnellen E-Bikes und anderen entschärfen

dhmc 28. Juli 2026

Auf dem Freigleis sowie im Abschnitt nach dem Südpol sind viele Familien mit Kindern – zu Fuss und mit dem Velo – unterwegs. Fast täglich beobachte ich, dass schnelle E-Bikes (45 km/h) zu wenig Rücksicht nehmen. Gefährlich ist dabei vor allem die grosse Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den schnellen E-Bikes sowie den langsameren Verkehrsteilnehmenden.

Ich schlage daher vor, entweder das "E-Velo erlaubt"-Signal auf dem Freigleis (Abschnitt Eichwaldstrasse südwärts) zu entfernen oder regelmässige Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen, um die Sicherheit für langsam fahrende Velofahrende sowie Fussgänger*innen zu erhöhen. Für Familien mit Kindern ist die Hauptstrasse als Ausweichroute keine echte Option – dafür ist der Verkehr dort zu gefährlich. 45-km/h-E-Bikes hingegen sind auf der Hauptstrasse, die über einen eigenen Veloweg verfügt, gut aufgehoben.

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Vielen Dank für den Eintrag. Die zunehmende Diversifizierung im Veloverkehr birgt für die Mobilität neue Chancen aber gleichzeitig auch neue Herausforderungen, allen voran die erwähnten Geschwindigkeitsdifferenzen.

Das Ziel muss allerdings sein, den Fuss- und Veloverkehr nicht gegeneinander auszuspielen. Ein Pauschalverbot für schnelle E-Bikes an dieser Stelle greift zu kurz, denn es bestraft rücksichtsvolle Nutzende und bremst die Mobilitätsziele. Zudem existieren für beide Gruppen keine geeigneten und sicheren Alternativrouten.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Anliegen nicht ernst genommen wird. Für diese Herausforderung gibt es aber auch keine einfache Lösung, die für alle funktioniert. Ein Austausch mit den verschiedenen Interessensgruppen wird angestrebt.

16 Kommentare

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Stadt Luzern

28. Juli 2026

Vielen Dank für den Eintrag. Die zunehmende Diversifizierung im Veloverkehr birgt für die Mobilität neue Chancen aber gleichzeitig auch neue Herausforderungen, allen voran die erwähnten Geschwindigkeitsdifferenzen.

Das Ziel muss allerdings sein, den Fuss- und Veloverkehr nicht gegeneinander auszuspielen. Ein Pauschalverbot für schnelle E-Bikes an dieser Stelle greift zu kurz, denn es bestraft rücksichtsvolle Nutzende und bremst die Mobilitätsziele. Zudem existieren für beide Gruppen keine geeigneten und sicheren Alternativrouten.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Anliegen nicht ernst genommen wird. Für diese Herausforderung gibt es aber auch keine einfache Lösung, die für alle funktioniert. Ein Austausch mit den verschiedenen Interessensgruppen wird angestrebt.

radtlos

28. Juli 2026

Ernst zu nehmender Eintrag. Zudem fährt regelmässig ein Verbrennungsmotor-Mofa auf dem Freigleis und viele sogennante "Trendfahrzeuge" mit ungeheurem Tempo...

Noch viel gefährlicher für alle sind aber die unübersichtlichen Strassenquerungen...

veloflitz

28. Juli 2026

Wenn man nun anfängt Velos gegen Velos auszuspielen, können wir alle nur verlieren.

Ich selbst fahre kein schnelles E-Bike, finde aber, dass ein E-Bike-Verbot auf dem Freigleis klar ein falscher Ansatz ist. Das Freigleis hat von der Breite her Dimensionen, die ein Miteinander zwischen Fussgehenden, Velos und (schnellen) E-Bikes eigentlich gut ermöglicht. Wenn Einzelne zu wenig Rücksicht haben, wäre eine Sensibilisierung zielführender, als neue Verbote oder Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Im Gegenteil: Das Freigleis sollte als Vorbild dienen für andere Velovorzugsrouten durch die Stadt und weiterhin für alle Velofahrenden offenstehen.

Bearbeitet: 28. Juli 2026, 10:05:57

dhmc

28. Juli 2026

Velos gegen Velos auszuspielen ist tatsächlich der falsche Weg – das ist auch nicht meine Absicht. Nur: Genau darum geht es hier. Der Konflikt läuft nicht primär zwischen Velo und Fussgänger, sondern innerhalb der gleichen Mobilitätsform. Auf dem Freigleis sind viele Familien mit Kindern auf Velos und Laufrädern unterwegs. Die bauliche Trennung zum Fussweg hilft da nichts – das Problem spielt sich auf der Velospur selbst ab, und dort ist die Geschwindigkeitsdifferenz das Risiko.
Sensibilisierung wäre mir am liebsten, funktioniert erfahrungsgemäss aber nicht nachhaltig. Xylophonweg und der Bereich vor der Jesuitenkirche sind für mich Belege dafür.
Konkret gefragt: Welche Sensibilisierungsmassnahme kennst du, die über Monate nachweislich wirkt? Wenn es die gibt, bin ich sofort dabei.

veloflitz

28. Juli 2026

Kannst du umgekehrt nachweisen, dass die bisherigen Sensibilisierungskampagnen *nicht* wirken? ;-) Meine eigene Erfahrung ist, dass es auf dem Xylophonweg, beim Nordpol und auch anfgangs Luzern bei der Autobahnunteführung wesentlich angenehmer wurde.

Jesuitenkirche find ich schwieriger. Da hat man halt viele Touristen, die die Situation nicht kennen. Und die Verengung mit der neuen Bahnhofstrasse läuft der Sensibilisierung wohl auch zu wieder.

Ganz ehrlich: Ich bin kein Verkehrsplaner und kann dir die optimale Kampagne nicht nennen. Hätte ich unbeschränkt Ressourcen, würde ich mal eine Woche eine Polizeipatrouille hinstellen, die filmt und persönliche Gespräche mit Rowdies führt. Erstmal ohne Bussen ... Unter Berücksichtigung der beschränkten Ressourcen sähe ich diese Patrouille aber lieber bei Autofahrenden z.B. am Schweizerhofquai oder an der Obergrundstrasse. ;-)

PS: Ich finds trotzdem gut, dass du auf den Konflikt aufmerksam machst! Mir wärs einfach lieber ohne Verbote.

betonkopf

28. Juli 2026

dhmc die Geschwindigkeitsdifferenz kann auch proaktiv durch ein Wechsel auf den Gehweg entschärft werden.
Laufräder und Kinderräder (per Definition für Vorschulpflichtige) sind gemäss VTS keine Velos, sondern fahrzeugähnliche Geräte. Diese dürfen nach VRV auf dem Trottoir gefahren werden.
Bei 5 Jährigen ist dies jedoch nicht mehr gegeben. Die müssen anders als die kleinen Geschwister auf den Radweg, wenn vorhanden.
Wo auch immer man fährt: es rechtfertigt keine fehlende Rücksicht durch schnellere bzw generell andere Verkehrsteilnehmer.

betonkopf

28. Juli 2026

Aus anderer Perspektive: Eine wunderbare Pendlerroute (auch für 45er) von Stans, Horw etc. Gut einsehbar und klar getrennt vom Fussweg.
Arsenal-, Obergrund- und Bundesstrasse finde ich auch für 45er keine echte Alternative Richtung Bahnhof. Zumal ich Sperrungen von Velolandrouten für EBikes generell bescheuert finde.
Sofern beide Seiten die ihnen zugewiesenen Flächen respektieren, dürfte es wenig Konflikte zwischen Fussgänger und (E)Bike geben.
Die zulässige Geschwindigkeit beträgt wohl 50 km/h. Blitzen bringt nichts. Den Umständen angepasst sollte sie trotzdem sein.
Bleibt noch das nette Miteinander auf dem Radweg: vorhersehbar, hintereinander und rechts fahren, „Spurwechsel“ signalisieren, Überholen ankündigen und vernünftige Differenzgeschwindigkeiten einhalten. Wenn wir das untereinander nicht schaffen, ist uns auch nicht wirklich zu helfen.
Eine übergeordnete Respektkampagne wäre das einzig denkbare für mich.

dhmc

28. Juli 2026

Die Pendlerqualität bestreite ich nicht. Aber: Wer Richtung Hergiswil/Horw unterwegs ist, kann ab Brändi auf die Hauptstrasse wechseln und bis Ende Allmend zügig fahren – dort gibt es ebenfalls einen Veloweg, und die Strecke ist sogar schneller als übers Freigleis. Für diese Richtung existiert die Alternative also real.

Beim Rest sind wir uns näher, als es scheint: "Den Umständen angepasst" und "vernünftige Differenzgeschwindigkeiten" ist genau mein Punkt. Nur passiert das heute nicht, und es gibt null Handhabe dagegen, wenn jemand mit 45 kmh 1 Meter neben einem 5 Jährigen Kind vorbeirauscht. Das ist ein Konflikt innerhalb der gleichen Fläche.

Eine Respektkampagne setzt voraus, dass die Adressaten erreichbar und einsichtig sind. Wie stellst du dir vor, dass eine Kampagne genau jene erreicht, die schon heute Sichtweite und Familien ignorieren?

maui

28. Juli 2026

Ich sehe die Problematik, bin aber selber ein Rücksichtsvoller e-bike Fahrer und dagegen, dass man wieder Anfängt die Tafeln zu entfernen.

Geschwindigkeitsbegrenzung fände ich eine gute Sache - die Schnelle e-Bike müssen ja eine Nummer haben und können auch kontrolliert werden.

Zudem könnten bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion eingesetzt werden.

dhmc

28. Juli 2026

Danke – dass sich ein rücksichtsvoller E-Bike-Fahrer meldet, ist genau der Punkt: Es sind nicht alle, aber die wenigen reichen für gefährliche Situationen.

Dein Vorschlag ist für mich der pragmatischste im ganzen Thread: signalisierte Geschwindigkeitsbegrenzung plus bauliche Massnahmen. Das wirkt unabhängig von Einsicht. Und du hast recht – die Kontrollierbarkeit über das Kontrollschild ist bei 45ern gegeben.

Hast du eine Vorstellung, welche baulichen Massnahmen auf dem Freigleis funktionieren würden, ohne Lastenvelos und Anhänger zu behindern? Und welches Tempo wäre aus deiner Sicht realistisch – 25 oder 30 km/h?

maui

28. Juli 2026

In Mischzonen wo noch Fußgänger unterwegs sind fahre ich höchstens 20 km/h meist langsamer und immer so, dass ich rechtzeitig bremsen kann.
Leider ist das bei andere E-Bike Fahrer keine Selbstverständlichkeit.

Ich würde zunächst ein Tafel anbringen mit dem entsprechenden Hinweis.
Sollte das nichts nützen könnte man Hindernisse wie Pflanzentröge oder ähnliches hinstellen.
Es sollte aber Velofahrer mit Anhänger nicht behindern.
Und auch keine gefährliche Engstelle bilden.
Vor mir aus können auch gerne mal Polizisten auf streife gehen und Velo Raudies maßregeln.

lezurex

28. Juli 2026

Grundsätzlich gibt es auf Velowegen keine Geschwindigkeitslimite (ausser vielleicht T50 wegen innerorts). Um Kontrollen zu machen müsste man also erst mal ein Tempolimit signalisieren, ich bin mir sicher, das würde bereits Wirkung zeigen.

Das Tempolimit ist noch nirgends zu sehen, aber erstmals Smilies auf dem Veloweg. Wär den Versuch wert.

Auch günstig wären alternierend links und rechts am Rand aufgestellte Pflanzentüpfe, VeloPP oder ein Sitzgelegenheiten. In noch wenigen Studien wurde die Akzeptanz von solchen Nudging-Massnahmen untersucht. Es lässt sich zusammenfassend sagen, dass Nudging-Massnahmen mehrheitlich als positiv und nützlich für die Verkehrssicherheit bewertet werden – insbesondere dann, wenn diese nur minimal eingreifend und leicht zu umgehen sind. Eine Ausnahme bilden z.B. haptische Rüttelstreifen. Diese werden von Velofahrenden eher als Gefahr und als unangenehm bewertet.

dhmc

28. Juli 2026

Guter und wichtiger Hinweis: Ohne signalisiertes Tempolimit gibt es schlicht keine rechtliche Grundlage für Kontrollen. Das erklärt auch, warum aktuell null Handhabe besteht.

Bei den Smileys bin ich skeptisch – die wirken erfahrungsgemäss vor allem, solange sie neu sind. Die Nudging-Idee mit Pflanzentöpfen oder Sitzgelegenheiten finde ich deutlich interessanter, weil sie die Fahrdynamik verändert statt nur zu appellieren.

Zwei Fragen in die Runde: Was wäre die nachhaltigere Kombination – Tempolimit als rechtliche Grundlage plus punktuelle Kontrollen, oder eine bauliche Lösung, die gar keine Durchsetzung braucht? Und gibt es in der Schweiz eine vergleichbare Strecke, wo das nachweislich funktioniert hat? Ein belegtes Vorbild hätte im Gespräch mit der Stadt mehr Gewicht als jede Grundsatzdiskussion hier.

Stadt Luzern

29. Juli 2026

Für klar nachweisliche, grundlegende Geschwindigkeitsreduktionen sind bauliche Massnahmen nötig. Nur gehen solche Lösungen i.d.R. mit einer klaren Komfortseinbusse für den Veloverkehr einher. Wir beobachten die Entwicklungen rund um die Nudging-Thematik und stehen mit anderen Schweizer Städten diesbezüglich im Austausch, denn das Thema beschäftigt zurzeit alle.

Die bisherigen Forschungsergebnisse suggerieren, dass die Wirkung von diversen Nudgingelementen einerseits oft zeitlich begrenzt ist und andererseits die nachhaltige Reduktion in einem Bereich von max. 10-15% oder 3-4 km/h liegt. Vielversprechende Ansätze, die bauliche Massnahmen und Nudging vereinen, gibt es im Ausland (z.B. Sinuswellen). Allerdings ist auch deren Wirkung noch zu wenig erforscht.

Sensibilisierungskampagnen haben ein ähnliches Reduktionspotenzial wie viele Nudgingelemente, weshalb wir unsere "Rücksicht"-Kampagne jeden Sommer hochfahren. Dieses Jahr liegt der Fokus genau beim Thema "Abstand". Sowohl zwischen Zufussgehenden und Velos als auch zwischen Velofahrenden unter sich.

interessant. Eine Sinuswelle ist auch schöner anzusehen und vielleicht sogar besser für die Retention. Im bretonischen Städtchen Lorient haben sich die Planer für eine Zick-Zack-Linie entschieden. Und damit für Lacher gesorgt. Mir gefällts. Die Form kommt da und dort individuellen Aufgaben nach und wirkt durchgängig gestaltet identitätsstiftend.
Artikel vom April 2022: https://tinyurl.com/3ps2unxr
Streetview aktuell: https://tinyurl.com/4cfjbkkx