Velochaos, gleichzeitig steht Parking im Elsässertor zu grossen Teilen leer

Bei hochpreissegmentigen Wohnungen oder den Arztpraxen des Gesundheitsclusters am Bahnhof Basel SBB dürfen grosszügie Autoeinstellplätze nicht fehlen. Damit prägen die Immobilienanbieter das Verkehrskonzept am Gleisfeld mit. Doch die Strassen sind voll, die Freude am Pendeln mit dem Auto schwindet mit den Baustellen zusätzlich. In der Folge stehen die am Gleisfeld gelegenen Parkings zu grossen Teilen leer. Die Pendler bevorzugen den Zug, ÖV und das Velo. Letztere stapeln sich beim Elsässertor auf dem Trottoir, weil es an einer Velostation mangelt. Grotesk!

Was tun, um an dieser Stelle die Veloparkplatz-Situation für die kommenden 10 bis 15 Jahre zu verbessern?

Der Regierungsrat teilt auf eine parlamentarische Anfrage zur Veloparking-Situation im Elsässertor vom 16.10.2024 mit, dass dem Bedarf an Flächen zum Abstellen privater Velos in einem dicht genutzten Raum wie dem Umfeld des Bahnhofs nicht unbegrenzt entsprochen werden könne. ... Deshalb setzt der Regierungsrat zusätzlich mittelfristig auf eine sehr gute Erreichbarkeit des Bahnhofs SBB mit Tram und Bus.

Dem mag man ohne Vorbehalt zustimmen, in ihrer Deutlichkeit sind das aber neue Töne. Tatsächlich wurden in jüngster Vergangenheit um den Bahnhof SBB herum beim Erstellen neuer Hochhäuser unentwegt weitere AutoPP für Autopendler bereit gestellt, wohingegen Veloabstellplätze gleichzeitig zusammengestrichen wurden.

Wer nun denkt, die Veloabstellplätze spriessen wie Pilze von selbst aus dem Boden, sieht sich getäuscht. Es sind Anpassung beim Zufahrtsregime zu lösen. Denn, während die Autorampe jahrzehntelang funktioniert hat, verorten die Entscheider beim Veloverkehr grosse Gefahren oder zumindest den flüssigen ÖV wegen der Velos ins Stocken gebracht. Das ist nicht stringent argumentiert. Zur besseren Durchwegung, Anschlüsse und Rampen für Velo müssen die Verkehrsplaner des Kantons endlich aktiv werden.

Vision: Velo-Bus-Spur an der Centralbahnstrasse (Bild rechts).

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3 Kommentare

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w.loss

9. Jan. 2026

2 Punkte fallen mir dazu ein: Das ganze Gelände rund um den Bahnhof gehört der SBB. Der defizitäre Bahnbetrieb muss mit lukrativen Immobilenrenditen eingefahren werden. Veloabstellplätze sind unrentabel und versperren nur den Weg für teure Immobilien und Parkplätze. Zweiter Punkt: der Platz auf der Viaduktstrasse gehört dem MIV. Doppelspuren in beide Richtungen. In Richtung Nauenstrasse dann sogar vierspurig, zwei Richtung Aeschenplatz, zwei Richtung Grosspeter. Schon fast amerikanische Verhältnisse. Längerfristig soll sich hier was ändern, also warten wir noch 20 bis 30 Jahre...

michid

9. Jan. 2026

Den zweiten Punkt habe ich auch schon mehrfach hier und auf Walkable bemängelt. Die Platzverteilung und Priorisierung zu Ungunsten des Langsamverkehrs rund um den Bahnhof finde ich äusserst störend.

Der ältere Post von @velo_parkt_mit_gleisanschluss zeigt das sehr anschaulich: Margarethenbrücke und der verpasste Renovationszyklus für den Veloverkehr

Bearbeitet: 9. Jan. 2026, 10:38:29

Die Besitzverhältnisse der SBB sind ein Sonderfall.
Dazu aus dem Hochparterre Sonderdruck der Kommentar der Chefredaktorin Marti zitiert. Er ist zwar bald 10 Jahre alt, bleibt aber wahr.

"Fast unbemerkt ist die Immobilienabteilung der SBB zur zweitgrössten Immobilienfirma des Landes angewachsen. 4,5 Milliarden Franken investierte sie von 2007 bis 2017. Mit 400 bis 600 Мillionen pro Jahr soll es weitergehen. 10'000 Wohnungen will sie bauen. Und die Bahnhöfe als Einkaufszeпtren noch begehrter machen. Ihre Mieterträge Überflügeln jene der grössten börsenkotierten Konkurentin Swiss Prime Site schon heute.

Die Division SBB Immobilien erfüllt ihren Auftrag. Das Ergebnis ist 'branchenüblich' nein, besser. Die Ausgleichszahlungen an die Infrastruktur fliessen. Das Loch in der SBB-Pensionskasse schrumpft. Bis 2031 sind noch 250 Millionen Franken pro Jahr nötig. Aber schon jetzt wirft das Portfolio jährlich 212 Millionen ab. Als Argument fUr den bisher oft aggressiven Rendite kann das Loch also nicht mehr herhalten. Die intensive Immobilienentwicklung und die Fixierung auf hohe Renditen kann niemand mehr als zwingend hinstellen. (...)

Es braucht den Druck der Medien und der Lokalpolitik. Für die Debatte drei Anregungen: Erstens, das Tempo drosseln. Dass eine Verschuldung die andere ablöst bereitet Stirnrunzeln. Zweitens erhielt die SBB ihre Areale einst günstig oder gratis. Als Gegenleistung und als Kompensation für die Luxuswohnungen müssen sie künftig vor allem gemeinnützige oder preisgünstige Flächen anbieten. Drittens: Die SBB darf die öffentliche Stadtentwicklung nicht übersteuern. Sie muss mit den Gemeinden kooperieren und Partizipation fest ins Programm aufnehmen ernst gemeint und ohne Absprachen."

Quelle: https://shop.hochparterre.ch/cms/Artikel-Detail/87062?itemID=TH-FDSBB

Zum zweiten Punkt: Die Viaduktstrasse hat ihre Velospur. Die oben gezeigte Einfärbung soll veranschaulichen, wie eine Bus-Velo-Spur mit Abzweiger in eine Velostation ins Elsässertor auch mit mehr Fussgängern ab prov. Passerelle West funktionieren könnte.




Bearbeitet: 10. Jan. 2026, 09:59:55